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Entmagnetisierung vermeiden – Ursachen, Grenzwerte und Schutzmaßnahmen

Entmagnetisierung bezeichnet den dauerhaften Verlust magnetischer Leistung. Bei Neodym-Magneten entsteht sie vor allem durch zu hohe Temperaturen, starke Gegenfelder, ungünstige Geometrie und mechanische Schäden. Wer die maximale Betriebstemperatur der gewählten Temperaturklasse einhält, Gegenfelder vermeidet und den Magneten korrekt lagert, behält über Jahre nahezu die volle Haftkraft.

Diese Seite erklärt, wodurch Permanentmagnete Leistung verlieren, welche Grenzwerte für NdFeB, SmCo, Hartferrit und AlNiCo gelten und mit welchen konstruktiven Maßnahmen Sie Entmagnetisierung in Ihrer Anwendung sicher ausschließen.

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Remanenzverlust über Temperatur bei NdFeB Br Temp. reversibel irreversibel max. Betriebstemp. Curie
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Was bedeutet Entmagnetisierung?

Ein Permanentmagnet verliert Leistung, wenn seine magnetischen Domänen ihre gemeinsame Ausrichtung teilweise oder vollständig aufgeben. Dabei sind drei Fälle klar zu unterscheiden – nur zwei davon sind ein echtes Problem.

1

Reversibler Verlust

Bei steigender Temperatur sinkt die Remanenz vorübergehend – bei NdFeB um ca. −0,12 % je °C. Nach dem Abkühlen kehrt die volle Leistung zurück. Das ist normales physikalisches Verhalten, kein Defekt.

2

Irreversibler Verlust

Wird die maximale Betriebstemperatur überschritten oder wirkt ein starkes Gegenfeld, bleibt ein Teil der Domänen fehlorientiert. Der Magnet bleibt auch nach dem Abkühlen schwächer. Nur eine Neumagnetisierung stellt die Leistung wieder her.

3

Struktureller Verlust

Oberhalb der Curie-Temperatur (NdFeB ca. 310–340 °C) verliert das Material seine ferromagnetische Ordnung vollständig. Auch Korrosion und Risse zerstören magnetisch wirksames Volumen dauerhaft.

Wichtig für die Praxis

Ein „schwächer gewordener“ Magnet ist in den meisten Fällen nicht entmagnetisiert, sondern arbeitet mit Luftspalt, auf zu dünnem oder unlegiertem Blech oder auf einer lackierten Fläche. Prüfen Sie zuerst die Einbausituation mit dem Haftkraftrechner für Magnete, bevor Sie einen Materialfehler vermuten.

Die fünf Ursachen für Entmagnetisierung

In der Praxis lassen sich nahezu alle Leistungsverluste auf fünf Ursachen zurückführen. Die Tabelle zeigt Wirkung und Gegenmaßnahme im Überblick.

Ursachen, Wirkung und Gegenmaßnahmen bei Permanentmagneten – Richtwerte, im Einzelfall gegen das Datenblatt prüfen.
UrsacheWirkungUmkehrbar?Gegenmaßnahme
Temperatur über BetriebsgrenzeDomänen kippen, Hcj sinkt stark (ca. −0,5 bis −0,6 %/°C)NeinHöhere Temperaturklasse wählen (M, H, SH, UH, EH) oder auf SmCo wechseln
Externes GegenfeldArbeitspunkt fällt unter den Knickpunkt der EntmagnetisierungskurveNeinAbstand zu Spulen, Schweißgeräten und starken Magneten einhalten; Abschirmung aus Weicheisen
Ungünstige GeometrieFlache Scheiben erzeugen ein hohes EigenentmagnetisierungsfeldTeilweiseVerhältnis Höhe zu Durchmesser erhöhen oder Güte mit höherer Koerzitivfeldstärke wählen
Mechanische EinwirkungSchlag, Sturz, Vibration – NdFeB ist spröde und kann absplitternNeinMagnete gedämpft montieren, verkleben statt klemmen, Gummitopfmagnete einsetzen
KorrosionBeschichtung verletzt, Material oxidiert und zerfälltNeinPassende Beschichtung wählen, Kanten nicht beschädigen, im Außenbereich Gummi oder Epoxid

Temperatur: der häufigste Grund für dauerhaften Leistungsverlust

Neodym-Magnete sind in der Standardklasse „N“ nur bis etwa 80 °C dauerhaft einsetzbar. Wer heißer arbeitet, braucht eine höhere Temperaturklasse – erkennbar am Suffix hinter der Güte, zum Beispiel N42SH.

Temperaturklassen bei Neodym (NdFeB)

Maximale Betriebstemperaturen nach Temperaturklasse – Richtwerte. Der tatsächliche Grenzwert hängt zusätzlich von der Geometrie und vom magnetischen Kreis ab.
Klasse (Suffix)Max. Betriebstemperatur*BeispielbezeichnungTypischer Einsatz
N (Standard)ca. 80 °CN42Haushalt, Werkstatt, Befestigung, Werbetechnik
Mca. 100 °CN42MGehäusenahe Elektronik, Antriebe mit Eigenerwärmung
Hca. 120 °CN42HSensorik, Kleinmotoren, Aktoren
SHca. 150 °CN42SHElektromotoren, Generatoren, Pumpen
UHca. 180 °CN38UHAutomotive, Antriebstechnik unter Last
EHca. 200 °CN35EHHochbelastete Servomotoren
AH / THca. 230 °CN33AHSpezialanwendungen mit dauerhafter Wärme

* Richtwerte für einen günstigen Arbeitspunkt. Bei flachen Geometrien oder offenem magnetischem Kreis liegt die praktisch nutzbare Grenze niedriger. Verbindliche Werte entnehmen Sie bitte dem Datenblatt der jeweiligen Charge.

Temperaturkoeffizienten und Curie-Temperatur

Reversibler Koeffizient der Remanenz (Br)

ca. −0,12 % je °C. Ein N42-Magnet liefert bei 80 °C rund 7 % weniger Haftkraftpotenzial als bei 20 °C – nach dem Abkühlen ist der Wert wieder vollständig da.

Reversibler Koeffizient der Koerzitivfeldstärke (Hcj)

ca. −0,5 bis −0,6 % je °C. Hcj fällt deutlich schneller als Br – deshalb entscheidet die Koerzitivfeldstärke, nicht die Remanenz, über die Temperaturfestigkeit.

Curie-Temperatur NdFeB

ca. 310–340 °C. Oberhalb dieser Grenze geht die ferromagnetische Ordnung vollständig verloren. Der Magnet ist danach magnetisch wertlos.

Praktische Faustregel

Planen Sie mindestens 20 °C Sicherheitsabstand zur angegebenen maximalen Betriebstemperatur ein – besonders bei flachen Scheiben, dünnen Ringen und offenem magnetischem Kreis.

Achtung bei Verarbeitungsprozessen

Löten, Schweißen, Pulverbeschichten und das Aushärten von Klebstoffen im Ofen überschreiten die Grenztemperatur regelmäßig. Magnete deshalb immer erst nach dem thermischen Prozess einsetzen – oder das Bauteil unmagnetisiert fertigen und erst am Ende aufmagnetisieren lassen.

Geometrie und Arbeitspunkt: warum flache Scheiben empfindlicher sind

Jeder Magnet erzeugt in seinem Inneren ein Feld, das der eigenen Magnetisierung entgegenwirkt – das Eigenentmagnetisierungsfeld. Wie stark es ausfällt, bestimmt die Form. Je flacher der Magnet im Verhältnis zu seiner Polfläche ist, desto tiefer liegt sein Arbeitspunkt und desto empfindlicher reagiert er auf Wärme und Gegenfelder.

Ungünstig: sehr flach

Beispiel 20 × 1 mm Scheibe. Hoher Eigenentmagnetisierungsfaktor, niedriger Arbeitspunkt. Solche Geometrien verlieren bereits deutlich unter der Nenn-Grenztemperatur messbar Leistung.

Günstig: kompakt

Beispiel 10 × 10 mm Zylinder. Höhe und Durchmesser liegen nahe beieinander, der Arbeitspunkt liegt weit oberhalb des kritischen Knickpunkts. Sehr robust gegen Temperatur und Fremdfelder.

Sehr günstig: im Eisenkreis

Topfmagnete mit Stahltopf schließen den magnetischen Kreis. Der Arbeitspunkt steigt, die Entmagnetisierungsneigung sinkt deutlich – bei gleichzeitig höherer Haftkraft.

Konstruktive Regeln

  • Verhältnis Höhe zu Durchmesser möglichst nicht unter 0,2 wählen, wenn Temperatur oder Fremdfelder eine Rolle spielen.
  • Bei flachen Bauformen eine Güte mit höherer Koerzitivfeldstärke einsetzen, notfalls eine Klasse tiefer bei BHmax, dafür H oder SH.
  • Magnete möglichst im Eisenkreis führen – Rückschlussplatte, Topf oder Joch heben den Arbeitspunkt an.
  • Gleichnamige Pole nicht erzwingen: zwei sich abstoßende Magnete fest gegeneinander verspannt erzeugen genau das Gegenfeld, das den Magneten schwächt.

Materialvergleich: Wie stabil sind die Werkstoffe?

Wenn Ihre Anwendung dauerhaft heiß oder chemisch belastet ist, ist nicht immer Neodym die richtige Wahl. Der Vergleich zeigt die Stärken der vier gängigen Werkstoffe.

Werkstoffvergleich – Richtwerte. Verbindliche Kennwerte auf Anfrage über das Datenblatt der jeweiligen Güte.
WerkstoffBHmaxMax. TemperaturKorrosions­beständigkeitPreisniveauTypische Anwendung
Neodym (NdFeB)bis 52 MGOebis ca. 230 °C (Hochtemperatur-Güte)Beschichtung erforderlichhochE-Motoren, Sensorik, Befestigung
SmCobis 32 MGOebis ca. 350 °Csehr gutmittelHochtemperatur, Luft- und Raumfahrt
Hartferritbis 4 MGOebis ca. 250 °Csehr gutsehr günstigGroßserien, Lautsprecher, Pinnwand
AlNiCobis 11 MGOebis ca. 550 °CgutmittelMess- und Sensortechnik, Haltemagnete
Hinweis zu AlNiCo

AlNiCo hält extreme Temperaturen aus, besitzt aber eine sehr niedrige Koerzitivfeldstärke. Er lässt sich dadurch schon durch mäßige Gegenfelder entmagnetisieren – etwa beim Umgang mit starken Neodym-Magneten in unmittelbarer Nähe. Umgekehrt ist er leicht wieder aufmagnetisierbar. Details zu allen Werkstoffen finden Sie im Vergleich der Magnetmaterialien.

Checkliste: Entmagnetisierung in acht Schritten vermeiden

  1. Betriebstemperatur realistisch ermitteln – nicht die Umgebungstemperatur, sondern die Bauteiltemperatur unter Volllast inklusive Eigenerwärmung.
  2. Temperaturklasse passend wählen (N, M, H, SH, UH, EH) und mindestens 20 °C Reserve einplanen.
  3. Geometrie prüfen: flache Scheiben nur dort einsetzen, wo weder Wärme noch Fremdfelder wirken.
  4. Magnetkreis schließen, wo möglich – Rückschlussplatte, Topf oder Joch stabilisieren den Arbeitspunkt.
  5. Abstand zu starken Feldern halten: Spulen, Trafos, Schweißgeräte, Magnetseparatoren und Magnetisiergeräte.
  6. Mechanisch schützen: gedämpft montieren, verkleben statt klemmen, im rauen Betrieb gummierte Topfmagnete verwenden.
  7. Beschichtung passend zur Umgebung wählen – Ni-Cu-Ni für innen, Epoxid oder Gummi für feuchte und Außenbereiche.
  8. Richtig lagern: trocken, gepolstert, mit Polschluss über ein Eisenblech, getrennt von Datenträgern und Elektronik.

Beschichtungen und ihre Schutzwirkung

Übliche Beschichtungen mit typischen Schichtdicken – Richtwerte.
BeschichtungSchichtdickeEignung
Ni-Cu-Ni (vernickelt)ca. 10–25 µmStandard für Innenräume, glänzend, abriebfest
Zinkca. 5–15 µmGünstig, matt, für trockene Umgebungen
Epoxidca. 15–25 µmFeuchte Umgebung, chemische Belastung
Gold / SilberdünnOptik, elektrische Leitfähigkeit
ParylendünnMedizintechnik, biokompatibel
Gummi / KunststoffmaterialabhängigKratzfrei, Außenbereich, hohe Reibung

Eine ausführliche Übersicht finden Sie unter Beschichtungen für Neodym-Magnete.

Lässt sich ein entmagnetisierter Magnet wiederherstellen?

Grundsätzlich ja: Ist das Material physikalisch unbeschädigt, kann es in einer Magnetisierspule mit einem starken Impulsfeld erneut vollständig aufmagnetisiert werden. Das ist ein industrieller Prozess und mit Haushaltsmitteln nicht möglich. Nicht wiederherstellbar sind Magnete, die oberhalb der Curie-Temperatur waren, korrodiert sind oder Risse und Abplatzungen aufweisen – hier fehlt magnetisch wirksames Volumen.

Für Serienbauteile übernehmen wir das Aufmagnetisieren nach der Montage. Sprechen Sie uns dazu über Sonderanfertigung von Magneten an.

Sicherheitshinweis

Neodym-Magnete sind kein Spielzeug. Halten Sie mindestens 10 cm Abstand zu Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren, sichern Sie große Magnete gegen unkontrolliertes Zusammenschlagen und halten Sie Kinder fern. Alle Hinweise finden Sie unter Sicherheitshinweise für Magnete.

Häufige Fragen zur Entmagnetisierung

Bei welcher Temperatur entmagnetisiert ein Neodym-Magnet?

Neodym-Magnete der Standardklasse „N“ sind bis etwa 80 °C dauerhaft einsetzbar. Darüber beginnt der irreversible Verlust. Höhere Temperaturklassen erweitern den Bereich: M bis ca. 100 °C, H bis ca. 120 °C, SH bis ca. 150 °C, UH bis ca. 180 °C, EH bis ca. 200 °C und AH bis ca. 230 °C. Vollständig unmagnetisch wird NdFeB oberhalb der Curie-Temperatur von ca. 310 bis 340 °C.

Verlieren Neodym-Magnete mit der Zeit von selbst an Kraft?

Nein, nicht in relevantem Umfang. Bei bestimmungsgemäßem Einsatz unterhalb der maximalen Betriebstemperatur und ohne Gegenfeld liegt der Alterungsverlust bei deutlich unter einem Prozent über viele Jahre. Spürbare Leistungsverluste haben fast immer eine konkrete Ursache: zu hohe Temperatur, ein Gegenfeld, mechanische Beschädigung oder Korrosion.

Kann ein starker Magnet einen anderen Magneten entmagnetisieren?

Ja. Wenn ein Magnet mit gleichnamigem Pol gegen einen anderen gedrückt oder in dessen Nähe fixiert wird, wirkt ein Gegenfeld. Bei Werkstoffen mit niedriger Koerzitivfeldstärke wie AlNiCo genügt dafür schon ein moderates Feld. Neodym ist deutlich robuster, kann aber bei flacher Geometrie und gleichzeitiger Erwärmung ebenfalls Schaden nehmen.

Wird ein Magnet schwächer, wenn er herunterfällt?

Ein einzelner Sturz führt bei Neodym in der Regel nicht zu messbarem magnetischem Verlust. Das eigentliche Risiko ist mechanisch: NdFeB ist spröde und kann splittern oder die Beschichtung verletzen. Beschädigte Beschichtungen führen zu Korrosion und damit zu dauerhaftem Materialverlust. Bei häufigem Zusammenschlagen empfehlen sich gummierte Ausführungen.

Warum hält mein Magnet weniger als in der Tabelle angegeben?

Angegebene Haftkraftwerte gelten für direkten Kontakt ohne Luftspalt auf einer dicken, ebenen Stahlplatte bei senkrechtem Abzug. Lack, Farbe, Rost, dünnes Blech, Edelstahl mit geringer Permeabilität oder eine raue Oberfläche reduzieren die Haftkraft erheblich. Das ist keine Entmagnetisierung. Rechnen Sie Ihre Situation mit dem Haftkraftrechner durch.

Kann man Magnete wieder aufmagnetisieren?

Ja, sofern das Material unbeschädigt ist. In einer Magnetisierspule wird mit einem kurzen, sehr starken Impulsfeld die volle Magnetisierung wiederhergestellt. Das ist ein industrieller Prozess. Magnete, die über der Curie-Temperatur waren, korrodiert sind oder Ausbrüche haben, lassen sich nicht mehr auf den Ausgangswert bringen.

Wie lagert man Neodym-Magnete richtig?

Trocken, bei Raumtemperatur und mit geschlossenem magnetischem Kreis: Magnete paarweise mit ungleichnamigen Polen aneinandersetzen oder auf einem Eisenblech lagern. Einzelne Teile durch Zwischenlagen aus Karton oder Schaumstoff vor dem Zusammenschlagen schützen. Abstand halten zu Datenträgern, Kreditkarten, Uhren, Hörgeräten und medizinischen Implantaten.

Unsicher, welche Güte und Temperaturklasse Sie brauchen?

Schildern Sie uns Ihre Einbausituation, Betriebstemperatur und gewünschte Haltekraft. Wir prüfen den Arbeitspunkt und schlagen die passende Güte, Geometrie und Beschichtung vor – inklusive Muster und Sonderanfertigung ab Werk.

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