Entmagnetisierung bezeichnet den dauerhaften Verlust magnetischer Leistung. Bei Neodym-Magneten entsteht sie vor allem durch zu hohe Temperaturen, starke Gegenfelder, ungünstige Geometrie und mechanische Schäden. Wer die maximale Betriebstemperatur der gewählten Temperaturklasse einhält, Gegenfelder vermeidet und den Magneten korrekt lagert, behält über Jahre nahezu die volle Haftkraft.
Diese Seite erklärt, wodurch Permanentmagnete Leistung verlieren, welche Grenzwerte für NdFeB, SmCo, Hartferrit und AlNiCo gelten und mit welchen konstruktiven Maßnahmen Sie Entmagnetisierung in Ihrer Anwendung sicher ausschließen.
Ein Permanentmagnet verliert Leistung, wenn seine magnetischen Domänen ihre gemeinsame Ausrichtung teilweise oder vollständig aufgeben. Dabei sind drei Fälle klar zu unterscheiden – nur zwei davon sind ein echtes Problem.
Bei steigender Temperatur sinkt die Remanenz vorübergehend – bei NdFeB um ca. −0,12 % je °C. Nach dem Abkühlen kehrt die volle Leistung zurück. Das ist normales physikalisches Verhalten, kein Defekt.
Wird die maximale Betriebstemperatur überschritten oder wirkt ein starkes Gegenfeld, bleibt ein Teil der Domänen fehlorientiert. Der Magnet bleibt auch nach dem Abkühlen schwächer. Nur eine Neumagnetisierung stellt die Leistung wieder her.
Oberhalb der Curie-Temperatur (NdFeB ca. 310–340 °C) verliert das Material seine ferromagnetische Ordnung vollständig. Auch Korrosion und Risse zerstören magnetisch wirksames Volumen dauerhaft.
Ein „schwächer gewordener“ Magnet ist in den meisten Fällen nicht entmagnetisiert, sondern arbeitet mit Luftspalt, auf zu dünnem oder unlegiertem Blech oder auf einer lackierten Fläche. Prüfen Sie zuerst die Einbausituation mit dem Haftkraftrechner für Magnete, bevor Sie einen Materialfehler vermuten.
In der Praxis lassen sich nahezu alle Leistungsverluste auf fünf Ursachen zurückführen. Die Tabelle zeigt Wirkung und Gegenmaßnahme im Überblick.
| Ursache | Wirkung | Umkehrbar? | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Temperatur über Betriebsgrenze | Domänen kippen, Hcj sinkt stark (ca. −0,5 bis −0,6 %/°C) | Nein | Höhere Temperaturklasse wählen (M, H, SH, UH, EH) oder auf SmCo wechseln |
| Externes Gegenfeld | Arbeitspunkt fällt unter den Knickpunkt der Entmagnetisierungskurve | Nein | Abstand zu Spulen, Schweißgeräten und starken Magneten einhalten; Abschirmung aus Weicheisen |
| Ungünstige Geometrie | Flache Scheiben erzeugen ein hohes Eigenentmagnetisierungsfeld | Teilweise | Verhältnis Höhe zu Durchmesser erhöhen oder Güte mit höherer Koerzitivfeldstärke wählen |
| Mechanische Einwirkung | Schlag, Sturz, Vibration – NdFeB ist spröde und kann absplittern | Nein | Magnete gedämpft montieren, verkleben statt klemmen, Gummitopfmagnete einsetzen |
| Korrosion | Beschichtung verletzt, Material oxidiert und zerfällt | Nein | Passende Beschichtung wählen, Kanten nicht beschädigen, im Außenbereich Gummi oder Epoxid |
Neodym-Magnete sind in der Standardklasse „N“ nur bis etwa 80 °C dauerhaft einsetzbar. Wer heißer arbeitet, braucht eine höhere Temperaturklasse – erkennbar am Suffix hinter der Güte, zum Beispiel N42SH.
| Klasse (Suffix) | Max. Betriebstemperatur* | Beispielbezeichnung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| N (Standard) | ca. 80 °C | N42 | Haushalt, Werkstatt, Befestigung, Werbetechnik |
| M | ca. 100 °C | N42M | Gehäusenahe Elektronik, Antriebe mit Eigenerwärmung |
| H | ca. 120 °C | N42H | Sensorik, Kleinmotoren, Aktoren |
| SH | ca. 150 °C | N42SH | Elektromotoren, Generatoren, Pumpen |
| UH | ca. 180 °C | N38UH | Automotive, Antriebstechnik unter Last |
| EH | ca. 200 °C | N35EH | Hochbelastete Servomotoren |
| AH / TH | ca. 230 °C | N33AH | Spezialanwendungen mit dauerhafter Wärme |
* Richtwerte für einen günstigen Arbeitspunkt. Bei flachen Geometrien oder offenem magnetischem Kreis liegt die praktisch nutzbare Grenze niedriger. Verbindliche Werte entnehmen Sie bitte dem Datenblatt der jeweiligen Charge.
ca. −0,12 % je °C. Ein N42-Magnet liefert bei 80 °C rund 7 % weniger Haftkraftpotenzial als bei 20 °C – nach dem Abkühlen ist der Wert wieder vollständig da.
ca. −0,5 bis −0,6 % je °C. Hcj fällt deutlich schneller als Br – deshalb entscheidet die Koerzitivfeldstärke, nicht die Remanenz, über die Temperaturfestigkeit.
ca. 310–340 °C. Oberhalb dieser Grenze geht die ferromagnetische Ordnung vollständig verloren. Der Magnet ist danach magnetisch wertlos.
Planen Sie mindestens 20 °C Sicherheitsabstand zur angegebenen maximalen Betriebstemperatur ein – besonders bei flachen Scheiben, dünnen Ringen und offenem magnetischem Kreis.
Löten, Schweißen, Pulverbeschichten und das Aushärten von Klebstoffen im Ofen überschreiten die Grenztemperatur regelmäßig. Magnete deshalb immer erst nach dem thermischen Prozess einsetzen – oder das Bauteil unmagnetisiert fertigen und erst am Ende aufmagnetisieren lassen.
Jeder Magnet erzeugt in seinem Inneren ein Feld, das der eigenen Magnetisierung entgegenwirkt – das Eigenentmagnetisierungsfeld. Wie stark es ausfällt, bestimmt die Form. Je flacher der Magnet im Verhältnis zu seiner Polfläche ist, desto tiefer liegt sein Arbeitspunkt und desto empfindlicher reagiert er auf Wärme und Gegenfelder.
Beispiel 20 × 1 mm Scheibe. Hoher Eigenentmagnetisierungsfaktor, niedriger Arbeitspunkt. Solche Geometrien verlieren bereits deutlich unter der Nenn-Grenztemperatur messbar Leistung.
Beispiel 10 × 10 mm Zylinder. Höhe und Durchmesser liegen nahe beieinander, der Arbeitspunkt liegt weit oberhalb des kritischen Knickpunkts. Sehr robust gegen Temperatur und Fremdfelder.
Topfmagnete mit Stahltopf schließen den magnetischen Kreis. Der Arbeitspunkt steigt, die Entmagnetisierungsneigung sinkt deutlich – bei gleichzeitig höherer Haftkraft.
Wenn Ihre Anwendung dauerhaft heiß oder chemisch belastet ist, ist nicht immer Neodym die richtige Wahl. Der Vergleich zeigt die Stärken der vier gängigen Werkstoffe.
| Werkstoff | BHmax | Max. Temperatur | Korrosionsbeständigkeit | Preisniveau | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| Neodym (NdFeB) | bis 52 MGOe | bis ca. 230 °C (Hochtemperatur-Güte) | Beschichtung erforderlich | hoch | E-Motoren, Sensorik, Befestigung |
| SmCo | bis 32 MGOe | bis ca. 350 °C | sehr gut | mittel | Hochtemperatur, Luft- und Raumfahrt |
| Hartferrit | bis 4 MGOe | bis ca. 250 °C | sehr gut | sehr günstig | Großserien, Lautsprecher, Pinnwand |
| AlNiCo | bis 11 MGOe | bis ca. 550 °C | gut | mittel | Mess- und Sensortechnik, Haltemagnete |
AlNiCo hält extreme Temperaturen aus, besitzt aber eine sehr niedrige Koerzitivfeldstärke. Er lässt sich dadurch schon durch mäßige Gegenfelder entmagnetisieren – etwa beim Umgang mit starken Neodym-Magneten in unmittelbarer Nähe. Umgekehrt ist er leicht wieder aufmagnetisierbar. Details zu allen Werkstoffen finden Sie im Vergleich der Magnetmaterialien.
| Beschichtung | Schichtdicke | Eignung |
|---|---|---|
| Ni-Cu-Ni (vernickelt) | ca. 10–25 µm | Standard für Innenräume, glänzend, abriebfest |
| Zink | ca. 5–15 µm | Günstig, matt, für trockene Umgebungen |
| Epoxid | ca. 15–25 µm | Feuchte Umgebung, chemische Belastung |
| Gold / Silber | dünn | Optik, elektrische Leitfähigkeit |
| Parylen | dünn | Medizintechnik, biokompatibel |
| Gummi / Kunststoff | materialabhängig | Kratzfrei, Außenbereich, hohe Reibung |
Eine ausführliche Übersicht finden Sie unter Beschichtungen für Neodym-Magnete.
Grundsätzlich ja: Ist das Material physikalisch unbeschädigt, kann es in einer Magnetisierspule mit einem starken Impulsfeld erneut vollständig aufmagnetisiert werden. Das ist ein industrieller Prozess und mit Haushaltsmitteln nicht möglich. Nicht wiederherstellbar sind Magnete, die oberhalb der Curie-Temperatur waren, korrodiert sind oder Risse und Abplatzungen aufweisen – hier fehlt magnetisch wirksames Volumen.
Für Serienbauteile übernehmen wir das Aufmagnetisieren nach der Montage. Sprechen Sie uns dazu über Sonderanfertigung von Magneten an.
Neodym-Magnete sind kein Spielzeug. Halten Sie mindestens 10 cm Abstand zu Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren, sichern Sie große Magnete gegen unkontrolliertes Zusammenschlagen und halten Sie Kinder fern. Alle Hinweise finden Sie unter Sicherheitshinweise für Magnete.
Neodym-Magnete der Standardklasse „N“ sind bis etwa 80 °C dauerhaft einsetzbar. Darüber beginnt der irreversible Verlust. Höhere Temperaturklassen erweitern den Bereich: M bis ca. 100 °C, H bis ca. 120 °C, SH bis ca. 150 °C, UH bis ca. 180 °C, EH bis ca. 200 °C und AH bis ca. 230 °C. Vollständig unmagnetisch wird NdFeB oberhalb der Curie-Temperatur von ca. 310 bis 340 °C.
Nein, nicht in relevantem Umfang. Bei bestimmungsgemäßem Einsatz unterhalb der maximalen Betriebstemperatur und ohne Gegenfeld liegt der Alterungsverlust bei deutlich unter einem Prozent über viele Jahre. Spürbare Leistungsverluste haben fast immer eine konkrete Ursache: zu hohe Temperatur, ein Gegenfeld, mechanische Beschädigung oder Korrosion.
Ja. Wenn ein Magnet mit gleichnamigem Pol gegen einen anderen gedrückt oder in dessen Nähe fixiert wird, wirkt ein Gegenfeld. Bei Werkstoffen mit niedriger Koerzitivfeldstärke wie AlNiCo genügt dafür schon ein moderates Feld. Neodym ist deutlich robuster, kann aber bei flacher Geometrie und gleichzeitiger Erwärmung ebenfalls Schaden nehmen.
Ein einzelner Sturz führt bei Neodym in der Regel nicht zu messbarem magnetischem Verlust. Das eigentliche Risiko ist mechanisch: NdFeB ist spröde und kann splittern oder die Beschichtung verletzen. Beschädigte Beschichtungen führen zu Korrosion und damit zu dauerhaftem Materialverlust. Bei häufigem Zusammenschlagen empfehlen sich gummierte Ausführungen.
Angegebene Haftkraftwerte gelten für direkten Kontakt ohne Luftspalt auf einer dicken, ebenen Stahlplatte bei senkrechtem Abzug. Lack, Farbe, Rost, dünnes Blech, Edelstahl mit geringer Permeabilität oder eine raue Oberfläche reduzieren die Haftkraft erheblich. Das ist keine Entmagnetisierung. Rechnen Sie Ihre Situation mit dem Haftkraftrechner durch.
Ja, sofern das Material unbeschädigt ist. In einer Magnetisierspule wird mit einem kurzen, sehr starken Impulsfeld die volle Magnetisierung wiederhergestellt. Das ist ein industrieller Prozess. Magnete, die über der Curie-Temperatur waren, korrodiert sind oder Ausbrüche haben, lassen sich nicht mehr auf den Ausgangswert bringen.
Trocken, bei Raumtemperatur und mit geschlossenem magnetischem Kreis: Magnete paarweise mit ungleichnamigen Polen aneinandersetzen oder auf einem Eisenblech lagern. Einzelne Teile durch Zwischenlagen aus Karton oder Schaumstoff vor dem Zusammenschlagen schützen. Abstand halten zu Datenträgern, Kreditkarten, Uhren, Hörgeräten und medizinischen Implantaten.
Schildern Sie uns Ihre Einbausituation, Betriebstemperatur und gewünschte Haltekraft. Wir prüfen den Arbeitspunkt und schlagen die passende Güte, Geometrie und Beschichtung vor – inklusive Muster und Sonderanfertigung ab Werk.
Alle Kennwerte auf dieser Seite sind Richtwerte und ersetzen kein Datenblatt. Für verbindliche Werte fordern Sie bitte das Werkszeugnis 3.1 nach EN 10204 zur jeweiligen Charge an.
Strong Magnets GmbH · Kleberstraße 3, 40822 Mettmann · Telefon +49 2104 9539020 (Mo–Fr 8–17 Uhr) · info@strong-magnets.eu
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