Technische Information

Magnetisierung und Feldrichtung – axial, diametral, radial und mehrpolig

Die Magnetisierungsrichtung legt fest, wo die Pole eines Magneten liegen und wie das Magnetfeld aus dem Bauteil austritt. Übliche Richtungen sind axial (durch die Höhe), diametral (durch den Durchmesser), radial und mehrpolig. Sie bestimmt Haftkraft, Feldverlauf und Einbaulage – und lässt sich nachträglich nicht mehr ändern.

Diese Seite zeigt, welche Magnetisierungsrichtungen es gibt, welche Bauform welche Richtung typischerweise erhält, wie Sie den Nordpol bestimmen und worauf Sie bei Toleranzen und Sonderanfertigungen achten müssen.

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Feldlinienverlauf eines axial magnetisierten Scheibenmagneten N S axiale Richtung
Hersteller-direkt seit 1997 · deutscher Standort seit 2017 Gaußmessung & 100 % Endkontrolle Sonder­magnetisierung ab Werk 3.1-Zertifikat nach EN 10204 auf Anfrage

Was bedeutet Magnetisierungsrichtung?

Ein Permanentmagnet besteht aus unzähligen magnetischen Domänen. Beim Aufmagnetisieren im Impulsfeld werden diese Domänen entlang einer definierten Achse ausgerichtet – dieser Achse folgt anschließend das gesamte Magnetfeld. Nord- und Südpol liegen immer an den beiden Enden dieser Achse.

Die Richtung wird bereits bei der Herstellung festgelegt: gesintertes NdFeB wird im Pressvorgang in einem Ausrichtfeld orientiert. Sie ist damit ein Konstruktionsmerkmal und keine nachträglich veränderbare Eigenschaft. Ein axial magnetisierter Scheibenmagnet lässt sich nicht in einen diametral magnetisierten umwandeln – dafür braucht es ein anders gepresstes Rohteil.

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Vorzugsrichtung im Rohteil

Beim Pressen richtet ein äußeres Feld die Kristallite aus. Diese Vorzugsrichtung bestimmt später, in welcher Achse der Magnet überhaupt magnetisiert werden kann.

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Aufmagnetisieren

Nach Sintern, Schleifen und Beschichten erfolgt der Impuls in der Magnetisierspule. Erst danach ist das Bauteil ein Magnet – vorher lässt es sich gefahrlos bearbeiten und montieren.

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Feldaustritt

Die Feldlinien treten am Nordpol aus, verlaufen durch die Umgebung und treten am Südpol wieder ein. Wo sie austreten, entsteht die nutzbare Haftkraft.

Die vier Magnetisierungsrichtungen im Überblick

Axial und diametral decken den überwiegenden Teil aller Standardartikel ab. Radial und mehrpolig sind typische Sonderanfertigungen für Motoren, Kupplungen und Sensorik.

Axiale Magnetisierung eines Scheibenmagneten N S
Standard

Axial

Magnetisiert durch die Höhe. Die beiden Stirnflächen sind Nord- und Südpol. Höchste Haftkraft auf eine flache Stahlfläche – die übliche Ausführung für Scheiben, Quader und Würfel.

Diametrale Magnetisierung eines Scheibenmagneten N S
Häufig

Diametral

Magnetisiert quer durch den Durchmesser. Die Pole liegen sich am Mantel gegenüber. Wird für Drehgeber, Winkelsensoren, Magnetrührer und Verschlüsse mit definierter Ausrichtung eingesetzt.

Radiale Magnetisierung eines Ringmagneten S N
Sonderanfertigung

Radial

Bei Ringen und Rohren verlaufen die Feldlinien von innen nach außen. Innen- und Außenmantel bilden die Pole. Typisch für Rotoren, Magnetkupplungen und Lager – herstellungstechnisch anspruchsvoll.

Mehrpolige Magnetisierung eines Ringmagneten N S
Sonderanfertigung

Mehrpolig

Mehrere Polpaare wechseln sich auf einer Fläche oder auf dem Umfang ab. Erzeugt ein flach abfallendes Feld mit hoher Auflösung – Basis für Drehzahlgeber, Encoder und Magnetfolien.

Warum mehrpolige Magnete näher, aber nicht weiter wirken

Je mehr Polpaare auf einer Fläche liegen, desto kürzer ist der Weg zwischen Nord und Süd – das Feld schließt sich dicht an der Oberfläche. Direkt am Bauteil ist die Haftkraft dadurch sehr hoch, mit wachsendem Abstand fällt sie aber deutlich schneller ab als bei einem zweipoligen Magneten. Genau dieses Verhalten nutzen Magnetfolien: stark auf Kontakt, praktisch wirkungslos wenige Millimeter daneben.

Welche Bauform erhält welche Magnetisierung?

Die folgende Übersicht zeigt die Standardausführung je Bauform sowie die auf Anfrage möglichen Sonderrichtungen.

Typische Magnetisierungsrichtung nach Bauform – Richtwerte für Standardartikel. Abweichende Richtungen sind als Sonderanfertigung möglich.
BauformStandardLage der PoleAuf AnfrageTypische Anwendung
Scheibe / Zylinderaxialbeide StirnflächendiametralBefestigung, Verschlüsse, Sensorik
Quader / Blockaxial durch die kleinste Abmessungdie beiden größten Flächendurch Länge oder BreiteHalterungen, Linearantriebe
Würfelaxial durch eine Kantezwei gegenüberliegende FlächendiagonalKonstruktion, Modellbau, Lehrmittel
Ringaxialobere und untere Ringflächediametral, radial, mehrpoligVerschraubung, Rotoren, Kupplungen
Kugelaxial (eine Achse)zwei gegenüberliegende Punkte–Deko, Lehrmittel, Konstruktionsspiele
Topfmagnetaxial im Stahltopfringförmig an der Haftfläche–Befestigung mit hoher Haltekraft
Magnetfolie / -bandmehrpolig (Streifenmuster)abwechselnd auf einer SeitePolbreite nach VorgabeWerbetechnik, Beschriftung, Displays
Wichtig bei Magnetfolie

Magnetfolie ist in der Regel nur auf einer Seite magnetisch – die Rückseite ist weiß, braun oder selbstklebend. Zwei Folienstücke haften außerdem oft schlechter aneinander als auf Stahl, weil die Streifenmuster nicht deckungsgleich liegen. Für Folie-auf-Folie-Anwendungen ist eine abgestimmte Polteilung nötig.

Nordpol und Südpol zuverlässig bestimmen

Ein Magnet sieht an beiden Polen gleich aus. Für die Montage in Motoren, Sensorsystemen oder Baugruppen mit fester Polfolge müssen die Pole eindeutig identifiziert werden. Diese vier Verfahren stehen zur Verfügung.

Polanzeigefolie

Eine dünne Folie mit magnetsensitiven Partikeln wird aufgelegt und macht den Polverlauf direkt sichtbar. Das schnellste Verfahren, um zwischen axialer, diametraler und mehrpoliger Magnetisierung zu unterscheiden – zeigt aber nicht, welcher Pol Nord ist.

Kompass

Die nach geografisch Norden zeigende Nadelspitze wird vom Südpol des Magneten angezogen. Klingt widersprüchlich, ist aber korrekt: der geografische Nordpol der Erde ist magnetisch ein Südpol.

Referenzmagnet

Ein Magnet mit bekannter Polung wird angenähert. Anziehung bedeutet ungleichnamige Pole, Abstoßung bedeutet gleichnamige. Bei kleinen Teilen vorsichtig arbeiten – Neodym schlägt hart zusammen und kann splittern.

Gaußmeter / Teslameter

Das einzige Verfahren mit belastbarem Messwert: Die Hallsonde zeigt Feldstärke und Vorzeichen. Wir setzen Gaußmessung in der Endkontrolle ein und dokumentieren Werte auf Wunsch im Prüfprotokoll.

Kennzeichnung im Serienbetrieb

Für die Serienmontage empfiehlt sich eine dauerhafte Kennzeichnung. Üblich sind ein Farbpunkt oder Lackring auf dem Nordpol, eine angefaste Kante, eine Bohrung oder eine bedruckte Verpackung mit Orientierungsangabe. Sprechen Sie die gewünschte Kennzeichnung bereits bei der Anfrage an – nachträglich ist sie bei beschichteten Magneten nur eingeschränkt möglich.

Auswirkungen auf Haftkraft und Anwendung

Die Magnetisierungsrichtung entscheidet mit darüber, wie viel Kraft an welcher Stelle ankommt. Zwei identische Scheiben mit unterschiedlicher Richtung verhalten sich völlig verschieden.

Vergleich der Richtungen im Hinblick auf Feldverlauf und Einsatz – Richtwerte, keine Absolutwerte.
RichtungHaftkraft auf ebener StahlplatteFeldverlaufEinbaulage relevant?Verfügbarkeit
Axialhoch – volle Polfläche liegt aufweit reichend, zweipoligneinLagerware
Diametralgeringer – nur die halbe Mantelseite trägtweit reichend, zweipolig, querja, Winkellage entscheidendviele Größen ab Lager
Radialanwendungsabhängig, meist im Kreis geführtrotationssymmetrischjaSonderanfertigung
Mehrpoligsehr hoch auf Kontakt, fällt schnell abkurzreichweitig, hohe Auflösungja, Polteilung beachtenSonderanfertigung / Folie

Toleranzen der Magnetisierungsrichtung

  • Winkelabweichung: Bei gesinterten NdFeB-Magneten liegt die Abweichung der Magnetisierungsachse üblicherweise im Bereich weniger Grad. Für Sensor- und Encoder-Anwendungen können engere Toleranzen vereinbart werden.
  • Maßtoleranzen: Standard bei geschliffenen Flächen typischerweise ± 0,1 mm, bei gesinterter Rohkontur gröber. Verbindliche Werte nach Zeichnungsabsprache.
  • Feldhomogenität: Bei mehrpoligen Bauteilen sind Polbreite und Übergangszone die kritischen Größen – beides gehört in die Zeichnung.
  • Prüfung: Auf Wunsch dokumentieren wir Oberflächenfeld und Polfolge per Gaußmessung und liefern ein Prüfzeugnis 3.1 nach EN 10204.
Hinweis zur Haftkraftangabe

Alle Haftkraftwerte in unseren Katalogen und Tabellen beziehen sich auf axial magnetisierte Magnete bei direktem Kontakt ohne Luftspalt auf einer dicken, ebenen Stahlplatte bei senkrechtem Abzug. Für diametrale oder mehrpolige Ausführungen gelten diese Werte nicht. Rechnen Sie Ihre Konfiguration mit dem Haftkraftrechner durch oder lassen Sie sie von uns prüfen.

Häufige Fragen zur Magnetisierung

Was ist der Unterschied zwischen axialer und diametraler Magnetisierung?

Axial bedeutet, dass die Magnetisierung durch die Höhe verläuft – Nord- und Südpol liegen auf den beiden Stirnflächen. Diametral bedeutet, dass sie quer durch den Durchmesser verläuft – die Pole liegen sich am Mantel gegenüber. Axiale Magnete haften am besten flach auf Stahl, diametrale werden dort eingesetzt, wo eine Drehlage oder ein Querfeld benötigt wird, etwa bei Winkelsensoren.

Kann man die Magnetisierungsrichtung nachträglich ändern?

Nein. Die Vorzugsrichtung wird beim Pressen des Rohteils festgelegt und ist im Materialgefüge verankert. Ein axial vorgerichteter Magnet kann nicht sinnvoll diametral magnetisiert werden. Möglich ist lediglich, einen Magneten innerhalb seiner Vorzugsachse umzupolen. Für eine andere Richtung ist ein neues, entsprechend orientiertes Rohteil erforderlich.

Wie erkenne ich den Nordpol eines Magneten?

Mit einem Kompass: Die zum geografischen Norden zeigende Nadelspitze wird vom Südpol des Magneten angezogen. Mit einer Polanzeigefolie lässt sich der Polverlauf sichtbar machen, ohne dass die Polarität benannt wird. Eindeutig und messbar ist nur ein Gaußmeter mit Hallsonde, das Feldstärke und Vorzeichen anzeigt. Bei Serienteilen empfehlen wir eine dauerhafte Kennzeichnung, etwa einen Farbpunkt auf dem Nordpol.

Warum haften zwei Stücke Magnetfolie schlechter aneinander als auf Stahl?

Magnetfolie ist mehrpolig in Streifen magnetisiert. Auf Stahl kann sich jeder Streifen einen idealen magnetischen Rückschluss suchen. Liegen zwei Folien aufeinander, treffen die Streifenmuster meist nicht deckungsgleich zusammen, sodass sich Nord- und Südbereiche teilweise gegenseitig aufheben. Zusätzlich ist Folie in der Regel nur auf einer Seite magnetisch.

Welche Magnetisierung hat den größten Haltewert auf Stahl?

Bei gleicher Größe erreicht ein axial magnetisierter Magnet den höchsten Wert auf einer ebenen Stahlplatte, weil die vollständige Polfläche aufliegt. Noch höher liegt ein Topfmagnet: Der Stahltopf führt den magnetischen Rückschluss und konzentriert das Feld auf die Haftfläche, wodurch sich die Haltekraft gegenüber dem gleich großen freien Magneten deutlich erhöht.

Was bedeutet mehrpolige Magnetisierung in der Praxis?

Auf einer Fläche oder auf einem Umfang wechseln sich mehrere Nord- und Südpolbereiche ab. Weil der Abstand zwischen den Polen klein ist, schließt sich das Feld dicht an der Oberfläche: sehr hohe Kraft bei Kontakt, schneller Abfall mit zunehmendem Abstand. Genutzt wird das für Drehzahl- und Positionsgeber, Encoderringe sowie für Magnetfolien und Magnetbänder.

Bieten Sie kundenspezifische Magnetisierungen an?

Ja. Als Hersteller fertigen wir diametral, radial und mehrpolig magnetisierte Magnete nach Zeichnung, einschließlich definierter Polteilung, Polkennzeichnung und Winkeltoleranz. Erforderlich sind Angaben zu Werkstoff und Güte, Geometrie, Betriebstemperatur, Beschichtung, gewünschter Polfolge und Stückzahl. Anfragen laufen über unsere Sonderanfertigung.

Magnet mit definierter Polfolge benötigt?

Schicken Sie uns Zeichnung oder Skizze mit Geometrie, gewünschter Magnetisierungsrichtung, Betriebstemperatur und Stückzahl. Wir prüfen die Fertigbarkeit, schlagen Güte und Beschichtung vor und liefern Muster vor der Serie.

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Alle Angaben auf dieser Seite sind Richtwerte und ersetzen kein Datenblatt. Verbindliche Werte und Toleranzen legen wir in der Zeichnungsabstimmung fest.
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