Die Magnetisierungsrichtung legt fest, wo die Pole eines Magneten liegen und wie das Magnetfeld aus dem Bauteil austritt. Übliche Richtungen sind axial (durch die Höhe), diametral (durch den Durchmesser), radial und mehrpolig. Sie bestimmt Haftkraft, Feldverlauf und Einbaulage – und lässt sich nachträglich nicht mehr ändern.
Diese Seite zeigt, welche Magnetisierungsrichtungen es gibt, welche Bauform welche Richtung typischerweise erhält, wie Sie den Nordpol bestimmen und worauf Sie bei Toleranzen und Sonderanfertigungen achten müssen.
Ein Permanentmagnet besteht aus unzähligen magnetischen Domänen. Beim Aufmagnetisieren im Impulsfeld werden diese Domänen entlang einer definierten Achse ausgerichtet – dieser Achse folgt anschließend das gesamte Magnetfeld. Nord- und Südpol liegen immer an den beiden Enden dieser Achse.
Die Richtung wird bereits bei der Herstellung festgelegt: gesintertes NdFeB wird im Pressvorgang in einem Ausrichtfeld orientiert. Sie ist damit ein Konstruktionsmerkmal und keine nachträglich veränderbare Eigenschaft. Ein axial magnetisierter Scheibenmagnet lässt sich nicht in einen diametral magnetisierten umwandeln – dafür braucht es ein anders gepresstes Rohteil.
Beim Pressen richtet ein äußeres Feld die Kristallite aus. Diese Vorzugsrichtung bestimmt später, in welcher Achse der Magnet überhaupt magnetisiert werden kann.
Nach Sintern, Schleifen und Beschichten erfolgt der Impuls in der Magnetisierspule. Erst danach ist das Bauteil ein Magnet – vorher lässt es sich gefahrlos bearbeiten und montieren.
Die Feldlinien treten am Nordpol aus, verlaufen durch die Umgebung und treten am Südpol wieder ein. Wo sie austreten, entsteht die nutzbare Haftkraft.
Axial und diametral decken den überwiegenden Teil aller Standardartikel ab. Radial und mehrpolig sind typische Sonderanfertigungen für Motoren, Kupplungen und Sensorik.
Magnetisiert durch die Höhe. Die beiden Stirnflächen sind Nord- und Südpol. Höchste Haftkraft auf eine flache Stahlfläche – die übliche Ausführung für Scheiben, Quader und Würfel.
Magnetisiert quer durch den Durchmesser. Die Pole liegen sich am Mantel gegenüber. Wird für Drehgeber, Winkelsensoren, Magnetrührer und Verschlüsse mit definierter Ausrichtung eingesetzt.
Bei Ringen und Rohren verlaufen die Feldlinien von innen nach außen. Innen- und Außenmantel bilden die Pole. Typisch für Rotoren, Magnetkupplungen und Lager – herstellungstechnisch anspruchsvoll.
Mehrere Polpaare wechseln sich auf einer Fläche oder auf dem Umfang ab. Erzeugt ein flach abfallendes Feld mit hoher Auflösung – Basis für Drehzahlgeber, Encoder und Magnetfolien.
Je mehr Polpaare auf einer Fläche liegen, desto kürzer ist der Weg zwischen Nord und Süd – das Feld schließt sich dicht an der Oberfläche. Direkt am Bauteil ist die Haftkraft dadurch sehr hoch, mit wachsendem Abstand fällt sie aber deutlich schneller ab als bei einem zweipoligen Magneten. Genau dieses Verhalten nutzen Magnetfolien: stark auf Kontakt, praktisch wirkungslos wenige Millimeter daneben.
Die folgende Übersicht zeigt die Standardausführung je Bauform sowie die auf Anfrage möglichen Sonderrichtungen.
| Bauform | Standard | Lage der Pole | Auf Anfrage | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Scheibe / Zylinder | axial | beide Stirnflächen | diametral | Befestigung, Verschlüsse, Sensorik |
| Quader / Block | axial durch die kleinste Abmessung | die beiden größten Flächen | durch Länge oder Breite | Halterungen, Linearantriebe |
| Würfel | axial durch eine Kante | zwei gegenüberliegende Flächen | diagonal | Konstruktion, Modellbau, Lehrmittel |
| Ring | axial | obere und untere Ringfläche | diametral, radial, mehrpolig | Verschraubung, Rotoren, Kupplungen |
| Kugel | axial (eine Achse) | zwei gegenüberliegende Punkte | – | Deko, Lehrmittel, Konstruktionsspiele |
| Topfmagnet | axial im Stahltopf | ringförmig an der Haftfläche | – | Befestigung mit hoher Haltekraft |
| Magnetfolie / -band | mehrpolig (Streifenmuster) | abwechselnd auf einer Seite | Polbreite nach Vorgabe | Werbetechnik, Beschriftung, Displays |
Magnetfolie ist in der Regel nur auf einer Seite magnetisch – die Rückseite ist weiß, braun oder selbstklebend. Zwei Folienstücke haften außerdem oft schlechter aneinander als auf Stahl, weil die Streifenmuster nicht deckungsgleich liegen. Für Folie-auf-Folie-Anwendungen ist eine abgestimmte Polteilung nötig.
Ein Magnet sieht an beiden Polen gleich aus. Für die Montage in Motoren, Sensorsystemen oder Baugruppen mit fester Polfolge müssen die Pole eindeutig identifiziert werden. Diese vier Verfahren stehen zur Verfügung.
Eine dünne Folie mit magnetsensitiven Partikeln wird aufgelegt und macht den Polverlauf direkt sichtbar. Das schnellste Verfahren, um zwischen axialer, diametraler und mehrpoliger Magnetisierung zu unterscheiden – zeigt aber nicht, welcher Pol Nord ist.
Die nach geografisch Norden zeigende Nadelspitze wird vom Südpol des Magneten angezogen. Klingt widersprüchlich, ist aber korrekt: der geografische Nordpol der Erde ist magnetisch ein Südpol.
Ein Magnet mit bekannter Polung wird angenähert. Anziehung bedeutet ungleichnamige Pole, Abstoßung bedeutet gleichnamige. Bei kleinen Teilen vorsichtig arbeiten – Neodym schlägt hart zusammen und kann splittern.
Das einzige Verfahren mit belastbarem Messwert: Die Hallsonde zeigt Feldstärke und Vorzeichen. Wir setzen Gaußmessung in der Endkontrolle ein und dokumentieren Werte auf Wunsch im Prüfprotokoll.
Für die Serienmontage empfiehlt sich eine dauerhafte Kennzeichnung. Üblich sind ein Farbpunkt oder Lackring auf dem Nordpol, eine angefaste Kante, eine Bohrung oder eine bedruckte Verpackung mit Orientierungsangabe. Sprechen Sie die gewünschte Kennzeichnung bereits bei der Anfrage an – nachträglich ist sie bei beschichteten Magneten nur eingeschränkt möglich.
Die Magnetisierungsrichtung entscheidet mit darüber, wie viel Kraft an welcher Stelle ankommt. Zwei identische Scheiben mit unterschiedlicher Richtung verhalten sich völlig verschieden.
| Richtung | Haftkraft auf ebener Stahlplatte | Feldverlauf | Einbaulage relevant? | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| Axial | hoch – volle Polfläche liegt auf | weit reichend, zweipolig | nein | Lagerware |
| Diametral | geringer – nur die halbe Mantelseite trägt | weit reichend, zweipolig, quer | ja, Winkellage entscheidend | viele Größen ab Lager |
| Radial | anwendungsabhängig, meist im Kreis geführt | rotationssymmetrisch | ja | Sonderanfertigung |
| Mehrpolig | sehr hoch auf Kontakt, fällt schnell ab | kurzreichweitig, hohe Auflösung | ja, Polteilung beachten | Sonderanfertigung / Folie |
Alle Haftkraftwerte in unseren Katalogen und Tabellen beziehen sich auf axial magnetisierte Magnete bei direktem Kontakt ohne Luftspalt auf einer dicken, ebenen Stahlplatte bei senkrechtem Abzug. Für diametrale oder mehrpolige Ausführungen gelten diese Werte nicht. Rechnen Sie Ihre Konfiguration mit dem Haftkraftrechner durch oder lassen Sie sie von uns prüfen.
Axial bedeutet, dass die Magnetisierung durch die Höhe verläuft – Nord- und Südpol liegen auf den beiden Stirnflächen. Diametral bedeutet, dass sie quer durch den Durchmesser verläuft – die Pole liegen sich am Mantel gegenüber. Axiale Magnete haften am besten flach auf Stahl, diametrale werden dort eingesetzt, wo eine Drehlage oder ein Querfeld benötigt wird, etwa bei Winkelsensoren.
Nein. Die Vorzugsrichtung wird beim Pressen des Rohteils festgelegt und ist im Materialgefüge verankert. Ein axial vorgerichteter Magnet kann nicht sinnvoll diametral magnetisiert werden. Möglich ist lediglich, einen Magneten innerhalb seiner Vorzugsachse umzupolen. Für eine andere Richtung ist ein neues, entsprechend orientiertes Rohteil erforderlich.
Mit einem Kompass: Die zum geografischen Norden zeigende Nadelspitze wird vom Südpol des Magneten angezogen. Mit einer Polanzeigefolie lässt sich der Polverlauf sichtbar machen, ohne dass die Polarität benannt wird. Eindeutig und messbar ist nur ein Gaußmeter mit Hallsonde, das Feldstärke und Vorzeichen anzeigt. Bei Serienteilen empfehlen wir eine dauerhafte Kennzeichnung, etwa einen Farbpunkt auf dem Nordpol.
Magnetfolie ist mehrpolig in Streifen magnetisiert. Auf Stahl kann sich jeder Streifen einen idealen magnetischen Rückschluss suchen. Liegen zwei Folien aufeinander, treffen die Streifenmuster meist nicht deckungsgleich zusammen, sodass sich Nord- und Südbereiche teilweise gegenseitig aufheben. Zusätzlich ist Folie in der Regel nur auf einer Seite magnetisch.
Bei gleicher Größe erreicht ein axial magnetisierter Magnet den höchsten Wert auf einer ebenen Stahlplatte, weil die vollständige Polfläche aufliegt. Noch höher liegt ein Topfmagnet: Der Stahltopf führt den magnetischen Rückschluss und konzentriert das Feld auf die Haftfläche, wodurch sich die Haltekraft gegenüber dem gleich großen freien Magneten deutlich erhöht.
Auf einer Fläche oder auf einem Umfang wechseln sich mehrere Nord- und Südpolbereiche ab. Weil der Abstand zwischen den Polen klein ist, schließt sich das Feld dicht an der Oberfläche: sehr hohe Kraft bei Kontakt, schneller Abfall mit zunehmendem Abstand. Genutzt wird das für Drehzahl- und Positionsgeber, Encoderringe sowie für Magnetfolien und Magnetbänder.
Ja. Als Hersteller fertigen wir diametral, radial und mehrpolig magnetisierte Magnete nach Zeichnung, einschließlich definierter Polteilung, Polkennzeichnung und Winkeltoleranz. Erforderlich sind Angaben zu Werkstoff und Güte, Geometrie, Betriebstemperatur, Beschichtung, gewünschter Polfolge und Stückzahl. Anfragen laufen über unsere Sonderanfertigung.
Schicken Sie uns Zeichnung oder Skizze mit Geometrie, gewünschter Magnetisierungsrichtung, Betriebstemperatur und Stückzahl. Wir prüfen die Fertigbarkeit, schlagen Güte und Beschichtung vor und liefern Muster vor der Serie.
Alle Angaben auf dieser Seite sind Richtwerte und ersetzen kein Datenblatt. Verbindliche Werte und Toleranzen legen wir in der Zeichnungsabstimmung fest.
Strong Magnets GmbH · Kleberstraße 3, 40822 Mettmann · Telefon +49 2104 9539020 (Mo–Fr 8–17 Uhr) · info@strong-magnets.eu
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