Beschaffung & Technik

Seit April 2025 unterliegen Samarium-Kobalt-Magnete (SmCo) und weitere Produkte aus schweren Seltenen Erden einer strengen chinesischen Exportlizenzpflicht. Für Einkaufsabteilungen und Entwicklungsteams in Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und Elektronik bedeutet das: längere Lieferzeiten, mehr Dokumentationsaufwand und spürbare Preisschwankungen. Dieser Leitfaden erklärt, was SmCo-Magnete technisch auszeichnet, warum die Versorgungslage 2026 angespannt bleibt, wie sich SmCo und Neodym im Detail unterscheiden – und mit welchen Beschaffungsstrategien sich Unternehmen konkret absichern können.

1. Was sind SmCo-Magnete?

Samarium-Kobalt-Magnete gehören neben Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) zur Familie der Seltenerd-Permanentmagnete und damit zu den leistungsstärksten verfügbaren Magnetwerkstoffen. Man unterscheidet zwei Legierungstypen:

  • SmCo5 (1:5-Legierung): niedrigeres Energieprodukt, dafür sehr hohe Koerzitivfeldstärke und ausgezeichnete Temperaturstabilität.
  • Sm2Co17 (2:17-Legierung): höheres Energieprodukt (bis ca. 32 MGOe), verbesserte mechanische Eigenschaften, Standard für die meisten Industrieanwendungen.

Die entscheidenden technischen Vorteile von SmCo gegenüber anderen Magnetwerkstoffen:

  • Hochtemperaturbeständigkeit bis 350 °C, in Sonderlegierungen darüber hinaus einsetzbar
  • Sehr hohe Korrosionsbeständigkeit, meist ohne zusätzliche Beschichtung einsetzbar
  • Hervorragende thermische Stabilität – geringer reversibler Temperaturkoeffizient, kaum Magnetisierungsverlust bei Temperaturwechseln
  • Hohe Beständigkeit gegen Entmagnetisierung, auch unter mechanischer Belastung und Vibration

Diese Eigenschaften machen SmCo-Magnete zur ersten Wahl überall dort, wo Neodym-Magnete an ihre Grenzen stoßen: in der Luft- und Raumfahrt, in Hochtemperaturmotoren, in Sensorik und Messtechnik sowie in der Medizintechnik, wo Korrosionsbeständigkeit und Langzeitstabilität entscheidend sind.

Gängige SmCo-Grades und Fertigungsformen

In der Praxis werden SmCo-Magnete typischerweise in Grades zwischen SmCo18 und SmCo32 spezifiziert, wobei die Zahl das ungefähre Energieprodukt in MGOe angibt. Für Einkauf und Konstruktion relevant sind dabei vor allem drei Kenngrößen:

  • Remanenz (Br): die Restmagnetisierung nach Sättigung, entscheidend für die erreichbare Haftkraft
  • Koerzitivfeldstärke (Hcj): der Widerstand gegen Entmagnetisierung, besonders wichtig bei hohen Temperaturen oder Gegenfeldern
  • Energieprodukt (BHmax): das Maß für die maximal speicherbare magnetische Energie pro Volumen

Gefertigt werden SmCo-Magnete über Pulvermetallurgie mit anschließendem Sintern, Formen wie Scheiben-, Ring-, Block- und Segmentmagnete sind Standard. Für individuelle Baugruppen sind zudem kundenspezifische Sonderanfertigungen mit definierten Magnetisierungsrichtungen und angepassten Toleranzen möglich – ein Punkt, der bei Lieferengpässen zusätzlich an Bedeutung gewinnt, da eine optimierte Geometrie den benötigten Materialeinsatz reduzieren kann.

2. Warum SmCo-Magnete 2026 so schwer verfügbar sind

Die Beschaffungslage für SmCo-Magnete hat sich seit 2025 grundlegend verändert. Im April 2025 hat China als Reaktion auf handelspolitische Spannungen mit den USA neue Exportkontrollen für sieben Seltene-Erden-Elemente eingeführt – darunter Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium. Die Beschränkungen betreffen ausdrücklich nicht nur die Rohstoffe selbst, sondern auch daraus gefertigte Produkte wie Samarium-Kobalt-Magnete und Neodym-Eisen-Bor-Magnete mit Terbium- oder Dysprosium-Anteil.

Für Einkäufer bedeutet das konkret:

  • Nicht-automatische Exportlizenzen sind für praktisch jede Lieferung erforderlich.
  • Die gesetzliche Bearbeitungsfrist liegt bei 45 Arbeitstagen (chinesische Verordnung über die Exportkontrolle von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck, in Kraft seit 1. Dezember 2024). In der Praxis dokumentieren Branchenquellen jedoch häufig 60 bis 120 Tage, insbesondere bei Anwendungen in Luftfahrt, Medizintechnik und Sensorik – teils mit unklarem Ausgang.
  • Preisvolatilität: Für 2025 wurden von Branchenquellen Preisspitzen von rund 15–20 % bei SmCo-Rohmaterial und Fertigmagneten dokumentiert (keine amtliche Statistik).
  • Am 9. Oktober 2025 kündigte China weitergehende Kontrollen an, die auch außerhalb Chinas gefertigte Produkte mit geringem Anteil chinesischen Vormaterials (0,1-Prozent-Schwelle) erfasst hätten. Nach dem Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump Ende Oktober 2025 wurde die Umsetzung dieser Oktober-Regeln für ein Jahr bis zum 10. November 2026 ausgesetzt. Wichtig für die Praxis: Diese Aussetzung betrifft nur die Oktober-Erweiterung – die im April 2025 eingeführte Lizenzpflicht für SmCo- und andere Seltenerd-Magnete bleibt davon unberührt und weiterhin in Kraft.

Auch europäische Industrieverbände wie der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) weisen wiederholt darauf hin, dass die Versorgungssicherheit mit Seltenen Erden in Europa gefährdet ist, und fordern von EU-Kommission und Bundesregierung Maßnahmen zur Diversifizierung der Lieferketten. Alternative Quellen außerhalb Chinas – etwa über Lynas in Australien – befinden sich im Aufbau, sind aber noch nicht in der Lage, den Bedarf kurzfristig zu decken.

Für die Praxis heißt das: SmCo-Magnete lassen sich 2026 weiterhin beschaffen, aber Lizenzprüfung, Enduse-Nachweise und vorausschauende Lieferkettenplanung sind heute so wichtig wie nie zuvor.

Woran es bei alternativen Quellen außerhalb Chinas noch hakt

Initiativen wie der Ausbau der Seltenerd-Aufbereitung durch Lynas in Australien oder der Aufbau eigener Kapazitäten in den USA und Europa sind wichtige Schritte, um die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten zu verringern. Auch die EU verfolgt mit dem Critical Raw Materials Act das Ziel, bis 2030 einen relevanten Anteil der Verarbeitung kritischer Rohstoffe innerhalb Europas abzudecken. Für den Beschaffungsalltag 2026 gilt jedoch: Diese Kapazitäten befinden sich im Aufbau und können den kurzfristigen Bedarf noch nicht decken. Wer heute plant, muss mit der aktuellen Marktlage kalkulieren – nicht mit der Situation, die in einigen Jahren erwartet wird.

3. Wen die Lieferengpässe besonders betreffen

Die Auswirkungen treffen nicht alle Branchen gleichermaßen. Besonders spürbar sind die Engpässe für Unternehmen, die SmCo aus technischen Gründen kaum ersetzen können:

  • Luft- und Raumfahrt: Hochtemperaturanwendungen in Aktuatoren, Generatoren und Sensorik
  • Medizintechnik: Präzisionsmagnete mit hoher Korrosionsbeständigkeit für Diagnosegeräte und Implantate
  • Sensorik und Messtechnik: stabile magnetische Eigenschaften über große Temperaturbereiche
  • Antriebstechnik und E-Motoren: Hochtemperaturmotoren in industriellen und militärischen Anwendungen
  • Maschinenbau: Spannvorrichtungen und Greifersysteme in Hochtemperaturprozessen

Für Einkaufsabteilungen in diesen Branchen ist eine belastbare Beschaffungsstrategie inzwischen kein "Nice-to-have" mehr, sondern Voraussetzung für die Liefersicherheit der eigenen Produktion.

4. SmCo vs. Neodym: die technische Vergleichstabelle

Nicht jede Anwendung erfordert zwingend SmCo. In vielen Fällen lohnt sich ein technischer Abgleich mit Neodym-Magneten (NdFeB), die aktuell besser verfügbar, aber bei Temperatur und Korrosionsbeständigkeit klar im Nachteil sind.

MerkmalSmCo (Samarium-Kobalt)Neodym (NdFeB)
Max. Energieprodukt (BHmax)bis ca. 32 MGOebis ca. 52 MGOe
Max. Einsatztemperaturbis 350 °Cbis 230 °C
Temperaturkoeffizientsehr niedrig, hohe thermische Stabilitäthöher, stärkerer Leistungsabfall bei Hitze
Korrosionsbeständigkeitsehr hoch, meist ohne Beschichtunggering, Beschichtung erforderlich (z. B. Ni-Cu-Ni)
Mechanische Eigenschaftenspröder, bruchempfindlicherrobuster, aber korrosionsanfällig
Verfügbarkeit / Lieferzeit (2026)eingeschränkt, exportlizenzpflichtigbesser, aber ebenfalls von Exportkontrollen betroffen
Preisniveaumittel bis hoch, volatilhoch bei hochwertigen Grades, ebenfalls volatil
Typische AnwendungenLuftfahrt, Hochtemperaturmotoren, Sensorik, MedizintechnikE-Motoren, Consumer Electronics, Standardanwendungen

Faustregel für die Praxis: Wo Betriebstemperaturen über 180–200 °C liegen, aggressive Umgebungsbedingungen herrschen oder Beschichtungen aus Bauraum- oder Hygienegründen ausscheiden, bleibt SmCo trotz Lieferengpässen meist alternativlos. Für Standardanwendungen im Temperaturbereich bis 150 °C lohnt sich häufig die Prüfung, ob Neodym oder – bei geringeren Anforderungen an das Energieprodukt – auch AlNiCo eine wirtschaftlichere und schneller verfügbare Alternative darstellt. Einen vollständigen Überblick über alle Magnetwerkstoffe bietet unser Materialvergleich.

5. Beschaffungsstrategien im Vergleich

Angesichts der angespannten Lieferlage reicht es nicht, einmalig eine Bestellung aufzugeben und auf Verfügbarkeit zu hoffen. Wirksam sind Kombinationen mehrerer Strategien, abgestimmt auf Bedarfsmenge, Kritikalität der Anwendung und Planungshorizont.

StrategieWas sie leistetBesonders geeignet für
Sicherheitsbestände / LagerhaltungPhysischer Puffer überbrückt Lizenzwartezeiten und kurzfristige LieferausfälleSerienfertiger mit planbarem, wiederkehrendem Bedarf
RahmenverträgeFeste Konditionen und reservierte Kapazität über einen definierten ZeitraumUnternehmen mit mittelfristig stabilem Jahresbedarf
AbrufaufträgeGesamtmenge langfristig gesichert, Lieferung erfolgt bedarfsgerecht in TeilmengenProduktion mit schwankendem, aber vorhersehbarem Abruf
KonsignationslagerWare lagert beim Kunden oder in Kundennähe, Bezahlung erst bei EntnahmeJust-in-Time-Fertigung mit hohem Lieferzeit-Druck
Technische Beratung durch IngenieureFrühzeitige Klärung, ob SmCo zwingend erforderlich istNeuentwicklungen und Redesigns
FEM-SimulationBerechnung von Magnetkreis und Haftkraft vor der FertigungKomplexe Baugruppen, Sonderanfertigungen
Materialalternativen (Neodym, AlNiCo)Prüfung, ob ein anderer Magnetwerkstoff die Anforderungen erfülltAnwendungen mit Spielraum bei Temperatur/Korrosion
Kundenspezifische SonderanfertigungenOptimierung von Form, Volumen und Magnetisierung reduziert den MaterialeinsatzAnwendungen mit engem Bauraum oder speziellen Anforderungen

Der wirksamste Ansatz ist meist eine Kombination: ein Sicherheitsbestand für die kurzfristige Absicherung, ein Rahmenvertrag mit Abrufoption für die mittelfristige Planungssicherheit und eine technische Prüfung von Alternativen für neue Projekte, die noch nicht in der Serienfertigung sind.

Die Strategien im Detail

Sicherheitsbestände / Lagerhaltung. Ein physischer Puffer im eigenen Haus oder beim Lieferanten überbrückt Lizenzwartezeiten von mehreren Wochen, ohne die Produktion zu gefährden. Der Nachteil: gebundenes Kapital und Lagerkosten, weshalb die Bestandshöhe genau auf den tatsächlichen Verbrauch abgestimmt werden sollte.

Rahmenverträge. Über einen definierten Zeitraum – meist 12 bis 24 Monate – werden Preise, Mengenkorridore und Lieferzeiten fixiert. Das schützt vor kurzfristigen Preisspitzen und sichert reservierte Fertigungskapazität beim Lieferanten.

Abrufaufträge. Eng verknüpft mit dem Rahmenvertrag: Die Gesamtmenge ist langfristig fixiert, der Kunde ruft jedoch nur die tatsächlich benötigten Teilmengen ab. Das reduziert Kapitalbindung gegenüber einer Einmalbestellung erheblich.

Konsignationslager. Bei besonders zeitkritischen Anwendungen lagert Ware direkt beim Kunden oder in dessen Nähe, die Abrechnung erfolgt erst bei tatsächlicher Entnahme. Diese Lösung eignet sich vor allem für Just-in-Time-Fertiger mit hoher Taktung und wenig Lagerfläche.

Technische Beratung durch Ingenieure. Viele Lieferengpässe lassen sich entschärfen, indem frühzeitig geprüft wird, ob SmCo technisch zwingend notwendig ist. Diese Prüfung erfordert Erfahrung mit Magnetkreisen und sollte nicht dem Zufall überlassen werden.

FEM-Simulation. Die Finite-Elemente-Simulation berechnet Haftkraft, Streufeld und Sättigungsverhalten einer Baugruppe, bevor ein einziges Bauteil gefertigt wird. Das hilft, den Magnetvolumenbedarf – und damit den Bedarf an knappem SmCo – zu minimieren.

Materialalternativen. Neodym und AlNiCo decken viele Anwendungen ab, die ursprünglich mit SmCo spezifiziert wurden, insbesondere wenn Temperaturanforderungen im mittleren Bereich liegen oder eine Beschichtung technisch vertretbar ist.

Kundenspezifische Sonderanfertigungen. Wo Standardgeometrien nicht optimal zur Anwendung passen, lässt sich durch angepasste Formgebung, Magnetisierungsrichtung und Toleranzen oft mit weniger Material die gleiche magnetische Wirkung erzielen – ein direkter Hebel gegen Materialknappheit.

Sie wissen noch nicht, welche Kombination aus diesen Strategien zu Ihrem Bedarf passt? Unsere Ingenieure ordnen Ihre Situation in einem kurzen, unverbindlichen Gespräch ein und zeigen konkret auf, wo Handlungsbedarf besteht.

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6. Wie Strong Magnets gemeinsam mit Kunden Lösungen entwickelt

Pauschale Lösungen funktionieren bei Seltenerd-Engpässen selten – zu unterschiedlich sind Stückzahlen, Anwendungsfälle und Planungshorizonte unserer Kunden. Deshalb setzen wir bei Strong Magnets auf enge, direkte Absprache statt auf Standardpakete von der Stange.

Der Ablauf sieht in der Praxis so aus:

  1. Bedarfsanalyse gemeinsam mit dem Kunden. Wir klären Stückzahlen, Planungshorizont, technische Anforderungen und Kritikalität der Anwendung – meist im direkten Gespräch mit Einkauf und Engineering.
  2. Technische Prüfung durch unsere Ingenieure. Ist SmCo zwingend notwendig, oder lässt sich die Anforderung mit einer Materialalternative wie Neodym oder AlNiCo ebenso zuverlässig erfüllen? Wo sinnvoll, unterstützen FEM-Simulationen die Entscheidung mit belastbaren Kennzahlen statt Bauchgefühl.
  3. Passende Beschaffungsstrategie festlegen. Je nach Ergebnis empfehlen wir einen Sicherheitsbestand aus unserem Lager mit über 10 Millionen Magneten, einen Rahmenvertrag mit Abrufoption, oder ein Konsignationslager in Kundennähe.
  4. Umsetzung inklusive Sonderanfertigung. Wo Standardware nicht passt, entwickeln wir kundenspezifische Sonderanfertigungen nach CAD-Daten – von der Formgebung über die Magnetisierungsrichtung bis zur Beschichtung.
  5. Laufende Abstimmung statt einmaliger Bestellung. Gerade bei volatiler Marktlage halten wir Kunden über Verfügbarkeit, Lizenzstatus und Preisentwicklung proaktiv auf dem Laufenden, statt sie vor Lieferengpässen zu überraschen.

Diese enge Abstimmung ist kein Zusatzservice, sondern fester Bestandteil unserer Arbeitsweise – mit dem Ziel, dass unsere Kunden auch in angespannten Marktphasen liefer- und planungssicher bleiben. Über 80 % unserer Kunden arbeiten dauerhaft mit uns zusammen – ein Beleg dafür, dass dieser Ansatz in der Praxis funktioniert.

7. Total Cost of Ownership

Bei angespannter Marktlage neigen Einkaufsabteilungen dazu, sich auf den reinen Stückpreis zu konzentrieren. Das greift bei SmCo-Magneten 2026 zu kurz. Entscheidend für die tatsächlichen Kosten sind mehrere Faktoren zusammen:

  • Lizenz- und Wartezeitrisiko: Ein günstiger Anbieter ohne belastbare Lizenz- und Lieferkettenerfahrung kann zu Produktionsausfällen führen, deren Kosten den Materialpreis um ein Vielfaches übersteigen.
  • Kapitalbindung durch Lagerhaltung: Wer Sicherheitsbestände falsch dimensioniert, bindet unnötig Kapital oder riskiert Fehlmengen.
  • Ausschussrisiko durch falsche Materialwahl: Ein zu niedrig dimensionierter Magnetwerkstoff führt zu Nacharbeit, Reklamationen oder Redesigns.
  • Qualitätssicherung und Dokumentation: 100-prozentige Endkontrolle, Gaußmessung und 3.1-Zertifikate reduzieren das Risiko von Fehlchargen in kritischen Anwendungen erheblich.

Eine belastbare Beschaffungsstrategie rechnet deshalb nicht nur den Einkaufspreis pro Magnet, sondern die Gesamtkosten über die Lieferkette.

8. Checkliste: In 5 Schritten zur krisensicheren SmCo-Beschaffung

  1. 1Bedarf ehrlich analysieren. Wie viele SmCo-Magnete werden pro Jahr tatsächlich benötigt, wie stabil ist der Bedarf?
  2. 2Technische Notwendigkeit prüfen. Ist SmCo aufgrund von Temperatur, Korrosion oder Bauraum wirklich alternativlos?
  3. 3Beschaffungsstrategie festlegen. Kombination aus Sicherheitsbestand, Rahmenvertrag und ggf. Konsignationslager wählen.
  4. 4Lieferanten mit Lizenz- und Exporterfahrung auswählen. Nachweisbare Erfahrung reduziert das operative Risiko spürbar.
  5. 5Regelmäßig nachjustieren. Marktlage, Preise und Lizenzverfahren verändern sich laufend.

Kostenlose Checkliste als PDF: Diese 5 Schritte gibt es auch als druckfertige Ein-Seiten-Checkliste zum Download – ideal zum Weiterreichen an Kollegen aus Einkauf und Engineering.

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9. Praxisbeispiele aus dem Einkaufsalltag

Sensorik-Hersteller

Monatlich kleine, konstante Mengen an SmCo-Ringmagneten. Sicherheitsbestand plus Rahmenvertrag mit monatlichem Abruf hält die Produktion auch bei Lizenzverzögerungen planbar.

Maschinenbauer mit Projektgeschäft

SmCo-Bedarf projektbezogen in wechselnden Stückzahlen. Rahmenvertrag mit flexiblem Abrufauftrag sichert den Jahresbedarf ohne Kapitalbindung im eigenen Lager.

Medizintechnik-Unternehmen

Betriebstemperatur von 120 °C erlaubt eine beschichtete Neodym-Lösung. Wechsel verbessert Verfügbarkeit und Kalkulationssicherheit ohne Funktionseinbußen.

10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind SmCo-Magnete und wofür werden sie eingesetzt?

SmCo-Magnete (Samarium-Kobalt) sind Seltenerd-Permanentmagnete mit hoher Temperaturbeständigkeit (bis 350 °C) und sehr guter Korrosionsbeständigkeit. Sie kommen vor allem in Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik, Sensorik und Hochtemperaturmotoren zum Einsatz, wo Neodym-Magnete an ihre Grenzen stoßen.

Warum sind SmCo-Magnete 2026 schwer verfügbar?

Seit April 2025 unterliegen SmCo-Magnete und ihre Rohstoffe strengen chinesischen Exportkontrollen. Jede Lieferung benötigt eine nicht-automatische Exportlizenz. Die gesetzliche Frist liegt bei 45 Arbeitstagen, in der Praxis dokumentieren Branchenquellen jedoch häufig 60 bis 120 Tage. Das führt zu längeren Lieferzeiten und Preisvolatilität von teils 15–20 %.

Was ist der Unterschied zwischen SmCo- und Neodym-Magneten?

Neodym-Magnete erreichen ein höheres Energieprodukt (bis 52 MGOe gegenüber bis 32 MGOe bei SmCo), sind aber nur bis ca. 230 °C einsetzbar und benötigen wegen geringerer Korrosionsbeständigkeit eine Beschichtung. SmCo ist temperaturstabiler und korrosionsbeständiger.

Wie können sich Unternehmen gegen SmCo-Lieferengpässe absichern?

Bewährt haben sich Sicherheitsbestände zur kurzfristigen Absicherung, Rahmenverträge mit Abrufoption, Konsignationslager für Just-in-Time-Fertigung sowie die frühzeitige technische Prüfung von Materialalternativen gemeinsam mit einem erfahrenen Lieferanten.

Gibt es Alternativen zu SmCo-Magneten?

Je nach Anforderung können Neodym-Magnete (bei Temperaturen bis ca. 200 °C) oder AlNiCo-Magnete (bei sehr hoher Temperaturstabilität bis 550 °C) eine technisch geeignete und besser verfügbare Alternative sein. Eine FEM-Simulation und technische Beratung helfen, dies verlässlich zu prüfen.

Wie lange dauert aktuell die Exportgenehmigung für SmCo aus China?

Die gesetzliche Frist liegt bei 45 Arbeitstagen. Branchenquellen berichten jedoch regelmäßig von tatsächlichen Bearbeitungszeiten zwischen 60 und 120 Tagen, mit unklarem Ausgang im Einzelfall.

Wie unterstützt Strong Magnets Kunden bei Lieferengpässen?

Strong Magnets analysiert gemeinsam mit dem Kunden Bedarf und technische Anforderungen, prüft mit eigenen Ingenieuren und FEM-Simulation mögliche Materialalternativen und entwickelt daraus eine passende Beschaffungsstrategie – von Sicherheitsbestand über Rahmenvertrag bis zur kundenspezifischen Sonderanfertigung.

Lohnt sich ein Konsignationslager bereits bei mittleren Stückzahlen?

Ein Konsignationslager rechnet sich vor allem bei wiederkehrendem, planbarem Bedarf und knapper Lagerfläche beim Kunden. Bei sehr kleinen, unregelmäßigen Mengen ist häufig ein einfacher Sicherheitsbestand mit Abrufoption wirtschaftlicher.

Was passiert, wenn eine SmCo-Sonderanfertigung dringend benötigt wird, aber die Lizenz noch aussteht?

Erfahrene Lieferanten prüfen zunächst, ob Bestand aus vorhandenem Lagermaterial oder eine kurzfristige Materialalternative die Überbrückung ermöglicht, während die Lizenz für die Sonderanfertigung parallel bearbeitet wird.

11. Glossar

SmCo5 / Sm2Co17
Die beiden gängigen Legierungstypen von Samarium-Kobalt-Magneten, mit unterschiedlichem Verhältnis von Energieprodukt zu Temperaturstabilität.
MGOe
Mega-Gauss-Oersted, Maßeinheit für das Energieprodukt (BHmax) eines Magnetwerkstoffs.
Remanenz (Br)
Die verbleibende Magnetisierung eines Materials nach Entfernen des äußeren Magnetfelds.
Koerzitivfeldstärke (Hcj)
Das Maß dafür, wie widerstandsfähig ein Magnet gegen Entmagnetisierung durch Gegenfelder oder Temperatur ist.
Exportlizenz (nicht-automatisch)
Eine behördliche Genehmigung, die für den Export bestimmter kritischer Rohstoffe und daraus gefertigter Produkte aus China erforderlich ist.
Konsignationslager
Ein Lager, dessen Inhalt im Eigentum des Lieferanten bleibt, bis der Kunde die Ware tatsächlich entnimmt und abrechnet.

12. Fazit und nächster Schritt

Die Exportkontrollen Chinas haben die Beschaffung von SmCo-Magneten dauerhaft komplexer gemacht – planbar bleibt sie trotzdem, wenn Einkauf und Technik frühzeitig zusammenarbeiten. Wer heute auf Sicherheitsbestände, Rahmenverträge und eine offene technische Prüfung von Materialalternativen setzt, reduziert das Risiko von Produktionsstillständen erheblich.

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